


Hinter den Kulissen
Teil 1
Der Tag auf dem Oasi beinhaltet von morgens bis abends Spaß und Spiel mit den Hunden.
Ist das wirklich so? Leider nein. Vielmehr steht harte Arbeit auf dem Programm. Jeden Tag (auch am Wochenende), egal bei welchem Wetter, egal ob es uns gut geht oder nicht, beseitigen wir die Geschäfte von über 80 Hunden. Reparaturen fallen an, Essen und Wasser muss mehrmals verteilt werden.
Das Wasser zum Beispiel wird mit Eimern auf dem ganzen Oasi verteilt, weil uns die Infrastruktur wie Strom und Rohrleitungen fehlt.
Regelmäßig werden die Pflanzen und Büsche zurückgeschnitten, Unkraut beseitigt. Die Gehege und Hundehütten müssen gereinigt werden, was das Beseitigen der Fellhaare, Urin wegwischen, reinigen der Böden, und Wände, sowie sonstiger Schmutz, welcher sich in den Gehegen anhäuft, beinhaltet.
Wir haben 22 Gehege auf dem Oasi und eine Person braucht ca. 1-2 Stunden für die Reinigung von einem Gehege. Und hat man alle gereinigt, fängt es wieder von vorne an.
Auch unsere kleinen Räume, wo wir unsere Gebrauchssachen, Futter, Behälter, usw. unterstellen können, brauchen regelmäßig eine Reinigung.
Das bedeutet auch, dass alle Gegenstände oder Möbel sowie Hundehütten immer umgeräumt werden müssen.
Näpfe und Schüsseln müssen täglich gereinigt werden. Der Generator für die Wasserpumpe geholt, bewegt/angeschlossen, und wieder weggebracht werden.
Und wir dürfen den Rest des Areals nicht vergessen, wo regelmäßige Arbeiten anfallen.
Natürlich nehmen wir uns auch Zeit für die Hunde, und ja, wir haben auch Spaß und Freude, sonst könnten wir das gar nicht machen bzw. durchhalten. Aber jeder Tag ist eine Herausforderung, weil wir nie wissen, was passiert. Und jeder Tag beinhaltet harte Arbeit.
Und das sind nur die Routinearbeiten eines Tages.
Wie Luigia einst zu uns sagte: Gebt mir einen Hebel und ich bewege die ganze Welt. Unser Hebel ist die Liebe zu den Hunden.
Und Ihr, liebe Freunde und Unterstützer, seid die Achse auf dem wir den Hebel ansetzen können!


















Hinter den Kulissen – Teil 2
Die Gesundheit der Hunde, also die medizinische Versorgung ist das A und O.
Jetzt denkt Ihr vielleicht: Das ist ja wohl selbstverständlich!
Leider nein, denn den Zwingerbetreibern ist das ziemlich egal, bzw. will man das nicht. Warum? Naja, dort geht es darum, maximale Gewinne mit der Ware „Hund“ zu erzielen. Die medizinische Versorgung kostet viel Geld und schmälert die Gewinne. Das ist nicht im Interesse dieser Geldmafia. Es reicht, wenn die Ware „Hund“ irgendwie lebt!
Im Projekt Oasi Nuova Vita werden alle ankommenden Hunde sofort den verschiedenen medizinischen Kontrollen unterzogen, es wird eine Prophylaxe durchgeführt, die vor allem aus einer Echinokokkose-Behandlung, einer Behandlung gegen äußere Parasiten, Impfungen und einem Typ-B-Blutprofil sowie der Suche nach Mittelmeerkrankheiten wie Leishmaniose, Filariose, Anaplasma, Erlichia, Richettiosis, Babesia canis, Giardia und anderen besteht.
Offensichtlich erkennbare Krankheiten werden medizinisch behandelt, auch wenn dies mit einer Langzeitmedikation verbunden ist, damit auch die vielen Fälle von anderen Krankheiten im Zusammenhang mit der Demodectica (allgemein als Roträude bezeichnet) oder Dermatitis verschiedener Art ausgeschlossen werden können. Es gibt auch schwerwiegendere Fälle, die chirurgisch behandelt werden müssen, wie Tumore oder Osteosyntheseoperationen. Der letzte Punkt in der Beschreibung, aber der Wichtigste, um das Phänomen des Streunens von Hunden einzudämmen, ist die Sterilisation von Hündinnen und die Kastration von Rüden!!! Das war schon immer eines der Hauptziele unserer Arbeit im Tierschutz.
All dies ist mit sehr hohen Kosten verbunden, und unser Verein bekommt keinerlei finanzielle Unterstützung von kommunalen oder anderen Einrichtungen!
Wir möchten noch erwähnen, dass jeder Adoptant zum Gesundheitszustand von uns vorher wahrheitsgemäß den uns vorliegenden Erkenntnissen informiert wird.
Das ist zum Beispiel den Zwingerbetreibern egal. Darum haben Auslandshunde auch teilweise so einen schlechten Ruf. Die Hunde werden als gesund verkauft, jedoch haben diese in der Regel noch nie einen Arzt gesehen.
Es gibt auch auf der Oasi Situationen die einen Arztbesuch erforderliche machen. Ihr kennt das bestimmt, wenn Ihr mal auf der Hundewiese mit vielen Hunden zusammen seid. Da gibt es manchmal Streit unter den Hunden.
So passiert es genauso auf das Oasi, dass Hunde mal aneinandergeraten. Im Regelfall können wir schlichten, und wir passen schon auf, dass nicht alle Hunde zur gleichen Zeit frei herumlaufen, aber in so einem großen Projekt mit so vielen Hunden lässt es sich nicht komplett vermeiden. Auch können beim Spielen, Toben oder Rennen Unfälle passieren. Dadurch entstehen Arztbesuche, um Wunden zu heilen, oder auch präventiv nachschauen zu lassen.
Leider gibt es auch Einflüsse von außerhalb. Wie zum Beispiel durch die Jäger, die eigentlich nicht in der Nähe das Oasi jagen dürfen. Ständige Knallgeräusche. Vielleicht kennt der ein oder andere von Euch das von Silvester, wenn sich Eure Hunde dann in Ihrem Verhalten ändern.
Unsere und Eure Hunde haben alle eine sehr schlimme Vergangenheit. Und manche geraten bei Knallgeräuschen erst in Stress, dann in Panik. Und leider ist es nicht rund um die Uhr zu verhindern, dass bei einem Hund die Panik dazu führt, dass dieser dann auf einen anderen Hund losgeht, wodurch ganz schlimmen Wunden entstehen können. Auch hier gibt es für uns nur einen Gedanken. Ab zum Arzt und alles dafür tun, um dem Hund zu helfen.
Ja, und manchmal, auch wenn es selten passiert, müssen wir uns von einem Hund verabschieden. Es gibt Situationen, in denen wir nicht mehr helfen können. Der Ausgang einer Panikattacke, ein tragischer Unfall oder auch eine Krankheit, die wir nicht erkennen konnten, wo jede Hilfe zu spät kommt. Es kommt auch vor, dass wir zu Hilfe gerufen werden bei einem Hund, bei dem sich herausstellt das er unheilbar krank ist. Trotzdem versuchen wir alles, weil es gilt Leben zu retten!
Abgesehen davon, dass die medizinische Betreuung sehr viel Geld kostet, ist die emotionale Belastung in diesen Fällen von Luigia und dem gesamten Team sehr hoch. Es sind unsere Kinder!
Liebe Freund und Unterstützer, auch hier seid Ihr unser Rückgrat. Ohne Euch wären die Behandlungen nicht möglich. Wir brauchen mehr von Euch, um jedem Hund helfen zu können. Darum redet über uns mit Freunden, Bekannten und Verwandten.
Überlegt mal, wenn Ihr einen Hund habt, nur einen einzigen, wie viel er Euch jedes Jahr kostet, und was Ihr alles für Ihn machen würdet, weil er zu Eurer Familie gehört!
Danke, Euer Oasi-Team
































Hinter den Kulissen – Teil 3
In Italien ist der Hund nur eine Sache, ein Nutztier. Kann man das so sagen? Nein, das wäre zu pauschal geurteilt und wäre ungerecht denjenigen gegenüber die Ihre Hunde im Kreise der Familie mit aller Liebe halten. Aber, in vielen Köpfen ist das noch Realität und je weiter man in den Süden des Landes reist, wird es mehr und mehr zu Regel.
Die Hunde werden im Welpenalter aufgenommen, weil Sie süß sind, oder man holt sich einen Hund um Familie, Hof oder Herdentiere zu beschützen. Vielleicht wollte man auch einfach einen Hund haben, um die Familie zu bereichern, oder ein Hund aus einem Heim zu retten. Aber in vielen Fällen verblassen sehr schnell die doch nachvollziehbaren Gründe sich einen Hund anzuschaffen, denn irgendwann sind die Hunde nicht mehr süß, zu zeitaufwendig, oder das Geschäft geht zu oft in die Wohnung, keine Zeit für Gassi gehen, der Hund dient doch nicht zum Beschützen, der Hund wird zu alt, ach stimmt ja, der Hund kostet auch viel Geld. Ihr müsst bedenken, dass die Kosten für Futter oder die medizinische Versorgung teilweise gleich oder sogar höher sind als in Deutschland.
Oftmals lebt der Hund dann nicht mehr in der Familie, sondern wird auf das Dach, den Balkon, den Hof verbannt, teilweise angeleint bei Wind und Wetter. Manchmal wird auch ein kleiner Zwinger gebaut, indem der Hund sein Leben „leben“ darf.
Nicht selten wird der Hund dann auch noch misshandelt. Der Hund wird mit Stangen oder Holzbarren geschlagen, mit Gegenständen beworfen, oder anderweitig gequält, weil er zum Beispiel mit seinem Bellen die Familie stört. Oftmals wird der Hund irgendwann einfach ausgesetzt und seinem Schicksal überlassen. Es gibt auch Familien, die Ihre Hunde bewusst draußen streunen lassen.
Beides führt zu immer mehr streunenden Hunden und einer unkontrollierten Vermehrung, da die Hunde nicht sterilisiert oder kastriert werden. Das kostet einfach zu viel.
Mittlerweile leben zu viele Hunde frei auf den Straßen Italiens, welche von der Bevölkerung als „Plage“ wahrgenommen wird. Sie streunen durch die Gassen, durchwühlen den Müll auf der Suche nach Nahrung, betteln die Menschen an und stören den Tourismus.
Das Progetto Oasi Nuova Vita, Luigia und Ihr Team, arbeiten hart daran die Denkweise der Gesellschaft zu verändern. Ein mühsamer Schritt, der nur kleine Erfolge aufweisen kann, da es schwer ist, die über Generationen entstandene Denkweise zu ändern. In vielen Gesprächen, gerade mit der jüngeren Generation, Gesprächen mit Politikern, mit Ärzten, mit der Polizei, Aufklärungsarbeiten, aufbauen von Info-Ständen und verteilen von Info-Material, ja sogar mit Demonstrationen wird versucht die Sichtweise und Handhabung mit den Hunden positiv zu verändern. Allein die Gesellschaft zu überzeugen Ihre Hunde sterilisieren oder kastrieren zu lassen, würde präventiv die Vermehrung stoppen, und die „Plage“ eindämmen.
Luigia und Ihr Team gehen auch in Gespräche mit den Betreibern der Zwinger, der Geldmafia, was Sie nicht nur einmal in eine lebensgefährliche Situation gebracht hat.
Es ist ein harter und langwieriger Kampf, der nur auf geringem schrittweisem Erfolg stößt. Aber jeder noch so kleine Schritt, ebnet den Weg für eine bessere Zukunft der Hunde. Und wir freuen uns immer, wenn wir jemanden zum Umdenken gebracht haben, wenn wir sehen, das Menschen anfangen den Hunden zu helfen, sich engagieren, und die Hunde als Lebewesen verstehen. Es gibt noch so viel zu tun, und wahrscheinlich dauert das Umdenken noch Jahre oder Jahrzehnte, aber jeder noch so kleine Erfolg ist ein wichtiger Schritt für ein besseres Leben der Hunde.
Vielleicht fragt Ihr Euch jetzt, wenn doch wie beschrieben die Hunde eine Plage sind, wenn die Probleme doch so offensichtlich sind, warum unternimmt die Politik da nichts?
Das werden wir im nächsten Teil der Serie „Hinter den Kulissen“ behandeln.








Fortsetzung folgt.


